DIE KUNST DES SCHUHMACHENS

Mit Schuhen stehen wir im Leben und auf dem Boden

Empfindlich wie er ist, würde er im Winter erfrieren und im Sommer auf heißem Sand verbrennen. Mit Schuhen kam der Mensch auf Trab und der Fortschritt war nicht aufzuhalten – die Schuhmode auch nicht. Früher haben sie verraten, welchen Auftritt sich einer in der Gesellschaft leisten konnte. Heute, im Zeitalter der Massenproduktion, gelten sie als Visitenkarte des guten Geschmacks. Denn die Schrittmacher sind verräterisch, Machart und Material ein Indiz dafür, was ihre Träger von sich halten. Das ist in der Gesellschaft von heute nicht anders als vor fünfhundert Jahren, als noble Patrizier per Dekret beschlossen, dass des Adels Auswüchse an den Schnabelschuhen 60 Zentimeter lang sein durften. Das Volk musste sich mit 15 Zentimetern begnügen.

Im Zeitalter der Billigproduktion sind es vor allem hand- und maßgefertigte Schuhe, die die Träume von Schuhmachern und Schuhfetischisten am Leben halten. Seitdem Fritz Unützer, der ursprünglich in die Fußstapfen seines Vaters treten und das traditionsreiche Modehaus in Münchens Maximilianstraße übernehmen sollte, während seiner Lehrzeit nicht nur bei Burberry, sondern auch bei der traditionsreichen Firma Church in London hospitierte, lässt ihn die Schuh-Leidenschaft nicht mehr los.

Bereits als junger Mann verfolgte Fritz Unützer den Traum...

…eigene Ballerinas zu entwerfen. Die flachen Schühchen für Damen, die damit nicht tanzen, sondern schnellen Schrittes vorankommen wollen. Natürlich nicht irgendwelche, sondern solche der besonderen Art aus feinstem Kalbsleder, superweichem Ziegenleder, aber auch Schlange und Krokodil. Vor mehr als 20 Jahren ließ er sich dann in Norditalien, im Veneto, als Schuhhersteller nieder. Schon immer nahm das Umland von Venedig in der Schuhfabrikation eine Sonderstellung ein. Dort, wo die Adeligen im 17./18. Jahrhundert ihre wunderschönen Palazzi und Villen gebaut haben, sind tausende von Italienern entweder direkt in der Manufaktur oder zu Hause mit der Schuhproduktion beschäftigt. Allein im vergangenen Jahr fertigten sie mehr als 50.000 Millionen Paar Schuhe für führende Luxusmarken.

Nur erfahrene Schuhmacher dürfen Hand an Unützer Schuhe legen

Jeder Handgriff ist professionell, jede Passform maßstabgerecht, ohne den Fuß zu strapazieren. Der Schuh soll nicht nur oberflächlich elegant sein, sondern sich geschmeidig-vollendet dem Fuß anpassen.

Unser Ziel ist es, noch leichter und bequemer zu werden. Der Laie macht sich keine Vorstellung von den Mühen, die es kostet, bis die Schuhe nicht nur wie Kunstwerke aussehen, sondern auch welche sind. Ein schöner Schuh ist wie eine dreidimensionale, in sich bewegliche Skulptur, und die erfordert Harmonie, Eleganz, ausgewogene Proportionen, viel Stil und vor allem handwerkliches Können.

Schuhe machen eben glücklich, viele Schuhe glücklicher. Kein Wunder also, dass so viele geradezu süchtig nach immer neuen Modellen sind. Denn Schuhe, das einzige Kleidungsstück, das wir angezogen ohne Spiegel sehen können, haben Einfluss auf unsere Stimmung: Je nach Modell und Marke lassen sie uns eher elegant oder avantgardistisch und nicht selten ziemlich sexy auftreten und das ganz unabhängig von Kleidergröße und Alter.

Mindestens 100 Arbeitsgänge

Vom Aussuchen des Materials, der Kontrolle auf Qualität und Farbnuancen bis zur Endabnahme eines Schuhes sind mindestens 100 Arbeitsgänge notwendig. Jedes Paar wird einzeln nach einer Vorlage aus Pappe zugeschnitten, von Hand über den Leisten gezogen, das Oberleder in Handarbeit genäht. Geschickte Finger bringen das Modell auf Hochglanz, sogar die Sohlen und Absätze werden selbst gemacht. Die Produktion wirkt wie ein menschliches Fließband, an dem jeder Handwerker ein Detail ausführt und dann den Schuh weiterreicht.

Es fasziniert immer wieder, z.B. Italo, einem wahren Meister seines Fachs, über die Schulter zu schauen: Die Schürze umgebunden sitzt er auf seinem Holzstuhl. Vor sich die Werkzeugbank mit den typischen Utensilien, wie Ahle (nadelartiges Werkzeug), Schustermesser und gewachstes Garn. Mit der Ahle sticht er frei aus der Hand Loch für Loch in das Leder – alles ohne Maßband, dafür aber mit geschultem Augenmaß – fädelt das gewachste Garn durch die Löcher und näht so das Oberleder der feinen Mokassins zusammen.

Ein Meister seines Fachs

Basics wie Ballerinas und Loafer gehören unverändert ins Programm, doch selbstverständlich werden auch avantgardistische Signale gesetzt – nach dem Motto: Klassisch und elegant, aber nie langweilig. Vielfalt statt Einerlei: Reiter- und Jagdstiefel aus elastischem Nappa und Budapester-Lochung, edle Pumps im Diva-Stil, Peep-Toes für den Abend und wärmende Lammfellstiefel ergänzen die Linie. Übrigens: Neben der Pflege ist die richte Aufbewahrung Garant für ein langes Schuhleben. Am besten ist es, den noch fußwarmen Schuh auf einen guten Holzspanner zu spannen. Bei Schuhen auf Reisen lauert Gefahr. Der wahre Liebhaber ist deshalb mit einem ledernen Spezialkoffer unterwegs. Aber selbst weniger ambitionierte Schuh-Freunde gönnen ihren Lieblingen einen gewissen Komfort: auf Leisten gespannt und in Flanell-Säckchen gepackt – dann reist das Paar wie in der Business-Class.